Landgericht Kassel

Ex-Kassierer Jonas Bender verurteilt

Kassel. Unter die verschwundenen Kassenunterlagen des 2014 zurückgetreten Hessenjäger-Schatzmeisters Jonas Bender aus Kassel zog das Kasseler Landgericht jetzt einen Schlussstrich: Es verurteilte ihn am 13.5.2016 dazu, diese Papiere sowie die Abrechnungen des damaligen Munitionskassenverwalters an den Jagdverein herauszugeben. Außerdem soll Bender erklären, was aus Vorschüssen in Höhe von 2950 Euro geworden ist, die er dem ebenfalls zurückgetretenen Pressewart Uwe Friebertshäuser in mehreren Tranchen angewiesen hatte.1  2015 verweigerte die Mitgliederversammlung beiden wegen ihres äußerst fragwürdigen Verhaltens die Entlastung und schloss sie aus dem Jagdverein aus.

Ein erster Blick in die Vorgeschichte: Der verurteilte Bender gehörte der fünfköpfigen Vereinsspitze von 2009 bis 2014 als Kassierer an, Friebertshäuser von 2012 bis 2014 als Pressewart. Beide wollten offensichtlich die Vorsitzenden Herbert Bachmann und Wolfgang Deutscher als Kontrollinstanz ausschalten, um Einnahmen aus dem Munitionsverkauf auf dem vereinseigenen Schießstand für irgendwen oder für irgendwas verfügbar zu machen. Das entstandene Problem: Für neue Munition musste nun stetig Geld aus der Vereinskasse fließen, während die Verwendung der Verkaufserlöse bis heute ungeklärt ist.

Um von diesen offensichtlichen Ungereimtheiten abzulenken, versuchte Bender die Vorstandsspitze mit völlig haltlosen Veruntreuungsvorwürfen zu kriminalisieren, für die er bislang keinen Beweis liefern konnte.2 Als sehr nützlich dürfte sich seine persönliche Bekanntschaft mit der HNA-Redakteurin Ulrike Pflüger-Scherb erwiesen haben.3 Sie ließ sich als Propagandawerkzeug gebrauchen, indem sie seine diffamierenden Anschuldigungen in einer Artikelserie über die Hessenjäger ungeprüft an die Öffentlichkeit weitergereicht hatte.4 In den Augen der 450 Vereinsmitglieder leistete sie dem Ansehen der HNA damit allerdings einen Bärendienst.

Ein zweiter Blick in die Vorgeschichte: Seinerzeit hatte Bachmann die Munitionskasse geführt und aus den Bareinnahmen stets die Munitionsvorräte aufgefüllt. Ende 2013 führten Bender und Friebertshäuser nach ihren Angaben die Munitionskasse in Eigenregie.5 Dies geschah in der Form, „dass aus Gründen der Arbeitsvereinfachung am Schießstand das Munitionsgeld mit anderen Ausgaben verrechnet werden sollte,6 so Benders O-Ton auf der Jahreshauptversammlung 2015. Ein Beiratsmitglied entgegnete ihm, dass auf diese Weise Gelder „zweckentfremdet“ würden. Weiterhin gab Bender in dieser Versammlung auf die Frage nach dem Verbleib der Kassenunterlagen zu, dass sich diese „bei seinem Anwalt Schelkmann befänden.“7 Über denselben Anwalt beteuerte der Ex-Kassierer an anderer Stelle, er würde „sämtliche Abrechnungs- und Buchungsunterlagen“ an den Vorstand übergeben haben.8

Unstimmigkeiten zwischen Bender und den geschäftsführenden Vorsitzenden über die Ausgaben auf dem Schießstand führten am 23.3.2014 zu seinem Rücktritt. Unterlagen aus der Amtszeit des Kassierers hat der Vorstand bis heute nicht erhalten. Darum fand nach mehrfachen Terminverschiebungen am 29. April 2016 der Prozess statt, allerdings ohne den Beklagten Bender. Er ließ sich durch seinen Anwalt Ralf Schelkmann vertreten. Zwei Wochen später erging das dargestellte Urteil. Nun hofft der Vereinsvorstand auf Aufklärung darüber, was mit den Einnahmen aus dem Munitionsverkauf und die an Friebertshäuser gezahlten Vorschüsse geschehen ist.

(beb)


1 Bender kann gegen die Entscheidung des Landgerichts Kassel beim Oberlandesgericht Frankfurt Berufung einlegen.
2 Rundschreiben Benders an Vereinsmitglieder vom 2. Februar 2015: „Kurz gefasst geht es darum, dass bei unserem ersten Vorsitzenden Herbert Bachmann möglicherweise mehr als 20000 Euro an Vereinsgeldern verschwunden sind und unser zweiter Vorsitzender, Herr Wolfgang Deutscher sich über Jahre hinweg unberechtigt eine hohe vierstellige Summe aus der Vereinskasse verschafft hat. Das muss nachgeprüft werden.“
3 HNA vom 15.1.14: Beim ersten Frühschwimmen im Auebad kamen am Dienstag 80 Besucher. Von Ulrike Pflüger-Scherb. Die ersten Frühschwimmer im Auebad waren Berufstätige, wie auch Sabine und Jonas Bender aus Kassel. „Wir finden das Angebot super“, sagt Jonas Bender. „Wir haben uns richtig geärgert, dass es bislang kein Frühschwimmen gab.“
4 HNA vom 30.8.2014: Es knallt bei den Hessenjägern. HNA vom 11.2.2015: Hessenjäger beharken sich. HNA vom 16.2.2015: Jäger streiten um Schwarzgeld. HNA vom 19.2.2016: Jäger drohen mit Austritt. HNA vom 4.6.2015: „Das ist wie bei Sepp Blatter“.
5 Friebertshäuser hat nach Erkenntnissen des geschäftsführenden Vereinsvorstandes dem Munitionslieferanten bereits ab dem Beginn des Kalenderjahres 2013 aufgetragen, alle Rechnungen an Bender zu senden, der sie dann vom Vereinskonto abbuchte. Allein diese Rechnungsbeträge beliefen sich auf über 8000 Euro, ohne dass es einen nennenswerten Geldrückfluss gegeben hätte.
6 Protokoll der Jahreshauptversammlung der Hessenjäger vom 12.2.2015. Top 4: Aussprache.
7 Ebenda.
8 Schreiben von Rechtsanwalt Ralf Schelkmann an das Landgericht Kassel vom 26.5.2015: Bender/Jagdverein Hessenjäger.

BU1-Landgericht

Das Landgerichtsgebäude mit Zivilsenaten des Oberlandesgerichtes Frankfurt befindet sich in der Frankfurter Str. 7 in Kassel. (Foto: beb)